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Wenn die Jugendarbeit sich vor der Konfirmandenarbeit in Acht nehmen muss…

warning-415342_1280Die Verknüpfung von Konfirmanden- und Jugendarbeit ist seit einigen Jahren en vogue. Und das mit gutem Recht. Doch gibt es auch Entwicklungen, die nachdenklich stimmen:

Der Jugendausschuss des Kirchenkreises hat ein neues Konzept entwickelt: Die Konfirmandenarbeit soll künftig im Mittelpunkt aller Anstrengungen stehen. Die Jugendlichen sollen in dieser Zeit eine positive Erfahrung mit Kirche machen. Deshalb werden Geld und Zeit für das Konfirmandenjahr investiert. Es passt gut, dass gerade eine der vier Stellen für hauptberufliche Jugendarbeiter frei geworden ist. So wird beschlossen, dass die Stelle künftig für Konfirmandenarbeit im Kirchenkreis ausgeschrieben wird. Auch die anderen Kollegen bekommen ihre Dienstanweisung so geändert, dass sie mit einem Teil ihrer Arbeitsstunden in den Konfergruppen präsent sein und kirchenkreisweite Konfi-Events unterstützen können.

Für Jonas Jugendarbeiter, der sei fast zehn Jahren im Kirchenkreis beschäftigt ist, kommt diese konzeptionelle Entwicklung sehr gelegen: Er arbeitet gerne mit den Jugendlichen im Konfi-Alter. Außerdem ist die Struktur in der Konfirmandenarbeit sehr viel klarer als in der offenen Arbeit, die Arbeitszeiten sind familienfreundlicher und vor allem entfällt die sehr anstrengende Arbeit, Jugendliche für die Jugendgruppen und sonstigen Veranstaltungen zu begeistern: Die Konfis sind einfach schon mal da.

Auch Petra Pfarrerin ist sehr zufrieden mit dem neuen Konzept. Die Konfi-Arbeit gehörte nie zu ihren großen Leidenschaften. Nun hat sie einen Jugendarbeiter, dem sie ab und zu mal die Konfis aufs Auge drücken kann. So hat sie mehr Zeit für ihre wahre Leidenschaft, die Erwachsenenbildung.

So wie Petra Pfarrerin denken viele in der Pfarrkonferenz. Deshalb kam das neue Konzept der Verknüpfung von Jugend- und Konfirmandenarbeit auch relativ glatt durch.

Außerdem ist das neue Konzept öffentlichkeitswirksam: Die kirchenkreisweiten Veranstaltungen wie Konfi-Tage, Konfi-Cup, Konfi-Aktions-Abend und Konfi-Camp kommen regelmäßig in die regionale Zeitung, so dass auch der Dekan zufrieden ist.

Natürlich kosten diese Veranstaltungen einiges. Die finanziellen Mittel für die Konfi-Events konnten aber durch eine Umschichtung im Jugendhaushalt bereit gestellt werden. Dafür wurden die Öffnungszeiten in zwei offenen Jugendhäusern eingeschränkt, ein drittes ganz geschlossen. Das fiel auch nicht besonders schwer, denn die Jugendarbeiter hatten aufgrund ihrer Verpflichtungen in der Konfirmandenarbeit sowieso keine Arbeitszeit mehr für diese Arbeit zur Verfügung.

Um nicht falsch verstanden zu werden:
Ich bin ein großer Anhänger der Verknüpfung von Konfirmanden- und Jugendarbeit. Und habe hier vor einigen Wochen auch ein Konzept dafür vorgestellt (Das IMPULS-Modell). Doch beobachte ich eben auch Tendenzen, dass die Verknüpfung beider Arbeitsbereiche eben nicht – was das Ziel sein sollte – zu einem Gewinn für beide Arbeitsbereiche wird. Stattdessen wird für die Jugendlichen im Konfirmandenjahr ein wahres Feuerwerk abgebrannt. Die dafür benötigten Ressourcen an Geld und hauptberuflicher Arbeitszeit stehen für die Arbeit mit Jugendlichen nach der Konfirmation dann nicht mehr zur Verfügung. Hier müssen die Vertreter der Jugendarbeit aufpassen, weiterhin auch diese Arbeit machen zu können. Mit einer sinnvollen (!) Verknüpfung kann dies sogar viel besser gelingen als ohne Kooperation mit der Konfirmandenarbeit.

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