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Was wir von der Band Kraftklub für die Öffentlichkeitsarbeit lernen können

KraftklubVielleicht kennst du das: Da hast du eine tolle neue Idee für die Jugendarbeit entwickelt und das Projekt in langer und mühevoller Arbeit inhaltlich durchgeplant. Dann lädst du dazu ein – und keiner kommt (oder nur so wenige, dass du das Projekt absagen musst).

Wenn du solche Situationen gar nicht kennst, dann brauchst du hier nicht weiterlesen. Dann hast du wahrscheinlich schon eine richtig gute Werbestrategie. Ich persönlich aber kann mich an einige Angebote erinnern, bei denen ich frustriert auf Teilnehmende gewartet habe… Ich habe deshalb angefangen, mich mit Werbestrategien zu beschäftigen und auch mal über den kirchlichen Bereich hinaus zu schauen: Wie machen es andere und was kann ich mir davon abschauen? Ein Super-Beispiel, wie es geht, ist ganz aktuell: 

Das neue Album der Band Kraftklub hat es in Rekordgeschwindigkeit auf Platz 1 der Album-Charts geschafft. Und dieser Erfolg ist nicht nur das Ergebnis von musikalischer Qualität, sondern spricht auch für die von der Band betriebene Öffentlichkeitsarbeit: Der Launch des Albums erfolgte nach einer durchdachten Strategie:

Das Vorgehen – chronologisch

20. Mai 2014: Undercover-Video auf Youtube
Auf Youtube wird das Musikvideo einer angeblichen Hamburger Band namens „In Schwarz“ veröffentlicht. Bei dem Lied handelt es sich um die spätere Singelauskoppelung von Kraftklub, der Name der Fake-Band wird zum Titel des Albums. Um nicht erkannt zu werden, tragen die Musiker auf dem Video Sturmhauben. Anstelle des etatmäßigen Sängers übernimmt der Bassist den Gesangspart.
(hier das Video)

2. Juni 2014: Auftritt der Fake-Band bei „Circus HalliGalli“
In der Pro7-Show „Circus HalliGalli“ tritt die angebliche Band „In Schwarz“ auf, doch während des Liedes reißen sich die Musiker die Masken von den Köpfen: „In Schwarz“ sind in Wirklichkeit Kraftklub, die ihr neues Album ankündigen. Dieser spektakuläre Auftritt sorgte in den sozialen Medien natürlich für eine gewaltige Aufmerksamkeit.
(hier das Video vom HalliGalli-Auftritt).

11. September 2014: Konvoi in Schwarz
konvoi-tour-253x300Kraftklub tourte durch sieben deutsche und österreichische Städte, um kostenlose Konzerte zu spielen. Doch anstatt die Orte der Konzerte anzukündigen, mussten die Fans den Weg des Konvois mittels GPS auf der Tourhompage verfolgen.Mit dem Hashtag #inschwarz konnten Fans dann die Standorte der Wagen freispielen, wo sie Bändchen als Tickets für die jeweiligen Konzerte und die Orte der Konzerte bekamen. Auch das erregte natürlich große Aufmerksamkeit, so waren zum Beispiel auch viele lokale Radiosender mit ihrer Berichterstattung dabei.

19. September 2014: Veröffentlichung des Albums
Erst jetzt, vier Monate nach der ersten Aktion, ist das Album „In Schwarz“ im Handel erhältlich. Und nur drei Tage später steht das neue Album auf Platz 1 der Album-Charts. Alles richtig gemacht, kann man sagen: Die Werbestrategie von Kraftklub ist aufgegangen.

Was wir daraus über Werbung und Öffentlichkeitsarbeit lernen
Vielleicht fragst du dich aber jetzt, was das mit der gemeindlichen Jugendarbeit und dem nächsten Jugendgottesdienst, dem Konfi-Aktionstag oder der neu startenden Ehrenamtlichenausbildung zu tun hat.

Es ist ja klar: Der Jugendgottesdienst ist keine Rockkonzert und die neue Jugendgruppe kein Album. Auch stehen uns in der Jugendarbeit keine umfassenden Werbe-Etats zur Verfügung, um Videos in professionellen Maßstab zu produzieren.

Aber die Grundstruktur ist jeweils die Gleiche: Es kommt ein neues „Produkt“ auf den „Markt“, in das viel Arbeit investiert wurde und für das möglichst viele „Kunden“ gewonnen werden sollen. Bei Kraftklub sind es die Käufer für das neue Album, bei uns vielleicht die Jugendlichen für die Ehrenamtlichenausbildung. Für mich sind es vor allem folgende vier Punkte, die ich ableite:

1) Plane (neue) Veranstaltungen nicht nur inhaltlich, sondern nimm Dir auch viel Zeit, eine Werbestrategie zu entwickeln. Nimm 20% Prozent der Arbeitszeit für die Entwicklung und Umsetzung dieser Marketingmaßnahmen!

2) Beginne mit den Werbemaßnahmen langfristig im Vorfeld der Veranstaltung und nutze verschiedene Werbeformen.

3) Versuche diese Fragen zu beantworten: Was kann ich tun, um die Veranstaltung schon langfristig im Vorfeld bei meiner Zielgruppe bekannt zu machen? Was müsste passieren, damit Leute, die von meiner Veranstaltung erfahren, es weiter erzählen? Wie kann ich meine Zielgruppe mit der Werbung für die Veranstaltung überraschen?

4) Beachte das altbewährte Werbekonzept A – I – D – A (denn nichts anderes haben die Jungs von Kraftklub auch gemacht).
Attention – Aufmerksamkeit wird erregt
Interest – die Zielgruppe wird für das „Produkt“ interessiert
Desire – der Wunsch nach dem „Produkt“ wird geweckt
Action – der Kunde kauft das „Produkt“ bzw. besucht die Veranstaltung
(wer mehr wissen will, googelt am besten „aida Werbung“ und schaut sich die vorgeschlagenen Bilder an)

Keine Frage, Öffentlichkeitsarbeit macht Mühe. Und es ist auch für Anstellungsträger gewöhnungsbedürftig, wenn die Mitarbeitenden nicht nur in die Qualität der Angebote Arbeitszeit investieren, sondern auch in Werbemaßnahmen, um die Anzahl der Teilnehmenden zu steigern. Aber tolle Angebote, die von niemandem besucht werden, helfen auch keinem. Und: Kreative Werbeaktionen können Spaß machen. Wenn sie gemeinsam mit einer Gruppe durchgeführt werden, sind sie sogar eine eigene Form von Ehrenamtlichenarbeit.

Was sind deine Erfahrungen? Ich würde mich freuen, wenn du mir von deinen Erfahrungen mit Öffentlichkeitsarbeit und Werbestratiegien für die Jugendarbeit berichtest!

Übrigens: Die Idee, die Marketingstrategie von Kraftklub zu analysieren und zu übertragen stammt von Thorsten Kucklick, der den Online-Marketing-Blog autaak betreibt.

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