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3 Beziehungen, die entscheidend sind für einen gelungenen Übergang von der Konfirmanden- in die Jugendarbeit

Konfirmandenarbeit und Jugendarbeit verknüpfenEs ist eine schwierige, aber durchaus machbare Aufgabe: Brücken bauen, damit Jugendliche nach der Konfirmation den Weg in die Jugendarbeit finden.

Natürlich gibt es nicht den Trick oder die Strategie, um die Jugendlichen zu 100 Prozent in die Jugendarbeit zu integrieren. Aber wir als Verantwortliche können viel dafür tun, um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, dass die Jugendlichen auch Lust auf die Jugendarbeit nach der Konfirmation entwickeln.

Viele der Praxisbeispiele für eine gelingende Verknüpfung von Konfirmanden- und Jugendarbeit haben Gemeinsamkeiten.

Entscheidend dafür, ob Jugendliche motiviert sind, nach der Konfirmation noch in der Jugendarbeit aufzutauchen sind nach meiner Beobachtung drei Beziehungen:

1) Die Beziehung zu den Mitarbeitenden

Jugendarbeit ist Beziehungsarbeit zwischen Jugendlichen und Mitarbeitenden – so alt dieser Satz ist, so richtig ist er immer noch:

Wenn die Konfirmandin den Jugendreferenten oder die Ehrenamtliche schon während der Konfirmandenzeit kennen gelernt hat und schätzt, dann ist das viel Wert. Und wenn dann umgekehrt noch dazu kommt, dass der Jugendreferent und die Ehrenamtlichen die Konfirmandin sogar mit Namen kennt und diese sich eingeladen und angenommen fühlt, dann ist das eine sehr gute Voraussetzung dafür, dass die Konfirmandin auch im Jugendkreis auftaucht oder bei anderen Aktivitäten der Jugendarbeit dabei ist.

 2) Die Beziehung zu den anderen Jugendlichen

Auch das ist keine ganz neue Erkenntnis: Die Entscheidung von Jugendlichen, etwas zu tun oder nicht zu tun, ist abhängig von der Peergruppe, in der sie sich bewegen. Und davon, ob sie sich wohl fühlen mit den anderen Jugendlichen, die sich engagieren.

Diese Erkenntnis klingt fast banal. Und sie ist auch unmittelbar einleuchtend. Doch wird ihr meiner Beobachtung nach in der Praxis noch viel zu wenig Rechnung getragen. Denn wer das ernst nimmt, muss die Möglichkeit schaffen, dass gute Beziehungen zwischen den Jugendlichen entstehen.

Es gibt ja eine ganze Reihe von Methoden und Ansätzen für die Konfirmandenarbeit, die die Beziehung der Konfirmanden untereinander im Blick haben. Diese auch wirklich einzusetzen lohnt sich.

Zum anderen ist es natürlich sinnvoll, dass die Konfis schon als Konfis Beziehungen aufbauen zu den Jugendlichen, die in der Jugendarbeit engagiert sind: Sei es dadurch, dass diese Jugendlichen als Konfi-Helfer mitarbeiten, sei es, dass die Konfis im Rahmen eines Gemeindepraktikums den Jugendkreis besuchen oder – meiner Einschätzung nach am besten – dadurch, dass regelmäßig gemeinsame Angebote für Konfis und Konfirmierte angesetzt werden (Kanu fahren, Kegeln gehen, Gottesdienst gestalten…).

Wer im Blick hat, welche Bedeutung die Beziehung der Jugendlichen untereinander spielt für einen Übergang in die Jugendarbeit, der wird ohne großen zusätzlichen Aufwand eine Reihe von Möglichkeiten finden, um Begegnungen und die Entstehung von Beziehungen zu ermöglichen.

3) Die Beziehung zu dem, was passiert

Häufig übersehen wird eine dritte Beziehung: Die Beziehung zu dem Thema oder besser zu dem, was inhaltlich in der Jugendarbeit passiert: Haben die Jugendlichen sich in der Konfirmandenzeit für etwas begeistert, das sie nach der Konfirmation weiter machen wollen?

Denn: Wieso sollte ein Konfirmierter zur Jugendtheatergruppe kommen, wenn er nie vorher die kirchliche Theaterpädagogik erlebt hat? Wieso sollte er in den Jugendpopchor gehen, wenn in der Konfirmandenarbeit allenfalls „Eine feste Burg ist unser Gott“ gesungen wird (oder meinetwegen auch „Gott gab uns Atem“ mit Orgelbegleitung)? Wieso sollte er beim Jugendgottesdienstprojekt mitmachen, wenn er während der Konfirmandenzeit nur Unterschriften am Sonntagmorgen gesammelt hat?

Die Konfirmandenzeit bietet die Chance, dass die Konfis eine Beziehung aufbauen zu einem Thema oder einer Arbeitsform. Das setzt natürlich einiges an Planung voraus: Wer eine Jugendtheaterarbeit in der Gemeinde hat, sollte dafür sorgen, dass die Konfis schon in der Konfirmandenzeit Freude am Theater spielen entwickeln. Wer regelmäßig Jugendgottesdienste durchführen will, sollte schon vor der Konfirmation die Konfis mitgestalten lassen. Und so weiter. Die Konferzeit ist also auch in inhaltlicher Hinsicht eine Art Werbezeit, in der die Konfis für das begeistert werden sollten, was in der Jugendarbeit auf sie zukommt.

Die Beziehung zu den Mitarbeitenden, zu den anderen Jugendlichen und zu dem, was inhaltlich passiert – diese drei Beziehungen gilt es aufzubauen, wenn man den Konfis einen Weg in die Jugendarbeit ebnen will. Das ist keine Garantie dafür, dass es gelingt. Aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit exponentiell, dass die Konfirmierten auch Angebote in der Jugendarbeit wahrnehmen.

2 Kommentare

    • Hallo Karsten,
      das ist eine spannende Frage, die du da stellst!

      Ich würde „Glaube“ unter dem dritten Punkt subsumierten, dem Thema. Und das kommt natürlich auch oft vor, dass die thematische Beziehung, die die Jugendlichen entwickeln, die zum „Glauben“ ist. Allerdings braucht es meiner Ansicht nach auch dann noch eine den Jugendlichen vertraute Form, ihren Glauben auch zu leben.
      Ich habe das Thema „Glaube“ oder „Beziehung zu Gott“ in dem Artikel noch aus zwei weiteren Gründen nicht als eigenen Abschnitt definiert: Zum einen, weil der Glaube der Jugendlichen etwas ist, für den wir als Verantwortliche den Rahmen schaffen können, aber was wir nicht „machen“ können. Zum anderen, weil der Aufbau einer eigenen „Beziehung zu Gott“ ein längerer Prozess ist, der eher selten mit der Konfirmation abgeschlossen ist.
      Überzeugt dich das?
      Liebe Grüße.
      Oliver

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